Zu Besuch im Herbarium des Botanischen Gartens Berlin
Beim Langen Tag der Stadtnatur hatte ich die besondere Gelegenheit, einen Ort zu besuchen, der normalerweise nur wenigen Menschen zugänglich ist: das Herbarium des Botanischen Gartens Berlin.
Wer das Wort „Herbarium“ hört, denkt vielleicht zunächst an gepresste Blumen in einem Schulheft. Tatsächlich verbirgt sich dahinter jedoch eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Pflanzensammlungen der Welt. Im Herbarium Berolinense werden Millionen getrockneter Pflanzenbelege aufbewahrt – sorgfältig gesammelt, gepresst, beschriftet und archiviert. Einige von ihnen sind viele Jahrzehnte, andere sogar mehrere Jahrhunderte alt.
Schon beim Betreten der Sammlung wird deutlich, dass es sich um einen ganz besonderen Ort handelt. In langen Schränken ruhen Pflanzen aus allen Teilen der Erde. Jede einzelne erzählt eine Geschichte: von Expeditionen, wissenschaftlichen Entdeckungen, verschwundenen Lebensräumen und der erstaunlichen Vielfalt unserer Pflanzenwelt.
Besonders beeindruckt hat mich der Gedanke, dass jede dieser Pflanzen einst lebendig war. Irgendwann wurde sie gesammelt, gepresst und dokumentiert, um ihr Wissen für kommende Generationen zu bewahren. Was zunächst wie eine trockene Sammlung erscheint, ist in Wahrheit ein Archiv des Lebens.
Für die Wissenschaft sind Herbarien von unschätzbarem Wert. Sie helfen dabei, Pflanzenarten zu bestimmen, ihre Verbreitung nachzuvollziehen und Veränderungen in der Natur über lange Zeiträume zu dokumentieren. Manche Belege dienen sogar als sogenannte Typusexemplare – also als Referenz für die wissenschaftliche Beschreibung einer Art.
Während der Führung musste ich immer wieder an meine eigene Arbeit mit gepressten Pflanzen denken. Natürlich verfolgen Wissenschaft und Blütenkunst unterschiedliche Ziele. Doch beide beginnen mit derselben Tätigkeit: dem bewussten Bewahren einer Pflanze. Im Herbarium werden Pflanzen gesammelt, um Wissen zu erhalten. In meinen Blütenbildern bewahre ich Pflanzen, um ihre Schönheit sichtbar zu machen und Geschichten zu erzählen. Beide Ansätze zeigen, dass in einer gepressten Blüte weit mehr steckt als nur ein getrocknetes Blatt.
Der Besuch hat mir einmal mehr vor Augen geführt, wie faszinierend Pflanzen sind. Sie begleiten uns oft unbemerkt durch den Alltag, und doch sind sie Träger von Geschichte, Kultur und Wissen.
Zwischen Millionen gepresster Pflanzen eröffnet sich eine neue Perspektive auf die Natur. Wenn du die Gelegenheit hast, einen Blick hinter die Kulissen des Botanischen Gartens Berlin zu werfen, solltest du sie nutzen - vielleicht beim nächsten Langen Tag der Stadtnatur.
"Jede gepresste Pflanze bewahrt einen Moment – im Herbarium für die Wissenschaft, bei Studio Flor für die Erinnerung."